Altersvorsorgedepot ab 2027: Jetzt informieren und Förderung nutzen

150 Euro gehen jeden Monat in einen ETF-Sparplan. Dann erscheint das neue Altersvorsorgedepot: dieselbe Sparrate, staatliche Zulagen, zusätzliche Steuervorteile. Auf den ersten Blick wirkt die Entscheidung einfach.

Doch der ETF ist nur ein Teil der Rechnung. Entscheidend ist die Hülle: Welche Kosten entstehen? Wie frei lässt sich das Geld verwenden? Was passiert im Ruhestand? Und ist ein Altersvorsorgedepot wirklich besser als ein freies Depot, ein bestehender Riester-Vertrag oder eine andere Vorsorgelösung?

Das Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027 als neue Form der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Es ermöglicht Anlagen in Fonds wie ETFs, verzichtet auf eine verpflichtende Beitragsgarantie und verschiebt die Besteuerung der Erträge in die Auszahlungsphase.

Die Förderung lässt sich schnell berechnen. Ob sich jedoch die Bindung lohnt, prüfen wir gemeinsam.

Inhaltsverzeichnis

Gut zu wissen

Der ETF ist nicht die eigentliche Neuerung – die Förderhülle ist es

Ein Altersvorsorgedepot ist kein gewöhnliches Wertpapierdepot. Du schließt einen zertifizierten Altersvorsorgevertrag bei einem Anbieter ab. 

Deine Beiträge und die staatlichen Zulagen werden langfristig am Kapitalmarkt angelegt. Während der Ansparphase werden Erträge und Wertsteigerungen nicht besteuert. Dafür unterliegen die geförderten Leistungen später der nachgelagerten Besteuerung.

Ab 2027 stehen grundsätzlich drei Wege nebeneinander

  1. Ein Altersvorsorgedepot ohne Beitragsgarantie
  2. Ein vereinfachtes Standarddepot
  3. Garantieprodukte mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie


Das Altersvorsorgedepot bietet die größten Chancen auf eine kapitalmarktorientierte Entwicklung, trägt aber auch die entsprechenden Kursschwankungen. Beim Standarddepot legt der Anbieter zwei Fonds mit unterschiedlichem Risikoprofil fest. Vor dem Ruhestand wird das Kapital schrittweise vorsichtiger angelegt. Nur für dieses Standardprodukt gilt eine Obergrenze von 1,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr. Andere Altersvorsorgedepots dürfen abweichende Kosten haben.

Kurz gesagt: Ein Altersvorsorgedepot lohnt sich vor allem für Menschen, die förderberechtigt sind, langfristig investieren, Schwankungen aushalten und das Geld bis zum Ruhestand nicht benötigen. Wer maximale Verfügbarkeit oder eine feste Kapitalgarantie braucht, muss andere oder ergänzende Bausteine vergleichen.

Förder-Check

Wie hoch könnte deine Förderung beim Altersvorsorgedepot ausfallen?

Trage deine geplante Sparrate und mögliche Kinderzulagen ein. Der Rechner zeigt dir, wie viel direkte staatliche Förderung jährlich in deinen Vertrag fließen könnte.

Beispiele:
€ / Monat

Maximal 6.840 € können jährlich eingezahlt werden. Die Grundzulage steigt bis zu einem Eigenbeitrag von 1.800 € pro Jahr.

Kinder

Die Kinderzulage wird nur bei der Person berücksichtigt, deren Vertrag die Zulage tatsächlich zugeordnet wird.

Die persönliche Förderberechtigung sollte vor einem Abschluss geprüft werden. Dieser Rechner bildet keine mittelbare Förderberechtigung über einen Ehepartner ab.

Dein vorläufiges Ergebnis Direkte Zulagen
Förderung im ersten Jahr 540,00 €
Eigener Jahresbeitrag 1.800,00 €
Jährliche Grundzulage 540,00 €
Jährliche Kinderzulage 0,00 €
Einmaliger Berufseinsteigerbonus 0,00 €
Regelmäßige Förderung pro Jahr 540,00 €
Regelmäßige Förderquote 30,0 %
Im ersten Jahr könnten insgesamt in den Vertrag fließen 2.340,00 €
Ein möglicher zusätzlicher Steuervorteil ist nicht enthalten.

Das Finanzamt prüft über die Günstigerprüfung, ob neben den Zulagen ein weiterer individueller Steuervorteil entsteht.

Mit 150 € monatlich erreichst du die derzeit maximale jährliche Grundzulage.

So wird die Förderung berechnet
Grundzulage

Für die ersten 360 € Eigenbeitrag gibt es 50 Cent je Euro. Für den Anteil zwischen 360 € und 1.800 € gibt es 25 Cent je Euro.

Kinderzulage

Pro zulageberechtigtem Kind gibt es einen Euro je Euro Eigenbeitrag, maximal 300 € pro Kind und Jahr.

Mindestbeitrag

Für die direkte Zulagenförderung müssen grundsätzlich mindestens 120 € pro Jahr selbst eingezahlt werden.

Berufseinsteigerbonus

Der einmalige Bonus beträgt 200 € und wird nicht jedes Jahr erneut gezahlt.

Die Förderung ist nur eine Seite der Entscheidung

Passt die Bindung auch zu deinem Finanzplan?

Im Strategiegespräch prüfen wir Förderberechtigung, bestehende Verträge, Kosten, Laufzeit und mögliche Alternativen. Danach weißt du, welche Rolle das Altersvorsorgedepot in deinem Gesamtplan übernehmen kann.

Förderpotenzial persönlich prüfen


Unverbindliche Modellberechnung auf Grundlage der gesetzlichen Förderlogik ab 2027. Keine Steuerberechnung, Anlageempfehlung oder verbindliche Förderzusage. Maßgeblich sind die persönlichen Voraussetzungen und die jeweils geltenden gesetzlichen Regelungen.

Rechenbasis: Bundesministerium der Finanzen

Drei Beiträge zeigen, wie unterschiedlich die Förderung wirkt

Die Grundzulage richtet sich künftig direkt nach deinem Eigenbeitrag:

  • Auf die ersten 360 Euro im Jahr zahlt der Staat 50 Cent je eingezahltem Euro.
  • Auf die nächsten 1.440 Euro zahlt er 25 Cent je Euro.
  • Die maximale Grundzulage beträgt damit 540 Euro bei 1.800 Euro Eigenbeitrag.
  • Pro kindergeldberechtigtem Kind sind bis zu 300 Euro Kinderzulage möglich.
  • Wer zu Beginn des Beitragsjahres noch keine 25 Jahre alt ist, kann einmalig einen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro erhalten.
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Vereinfachte Förderbeispiele

Typische SituationEigener Beitrag pro JahrDirekte staatliche ZulagenJährlich im Vertrag
30 Euro monatlich, keine Kinder 360 € 180 € Grundzulage 540 €
25 Euro monatlich, ein Kind 300 € 150 € Grundzulage + 300 € Kinderzulage 750 €
150 Euro monatlich, keine Kinder 1.800 € 540 € Grundzulage 2.340 €

Der Lorenzo-Depot-Fit: fünf Fragen vor dem Abschluss des Altersvorsorgedepots

Die höchste Zulage ist nicht automatisch die beste Vorsorgelösung. Deshalb prüfe ich das Altersvorsorgedepot nicht isoliert, sondern anhand von fünf Entscheidungsebenen.

PrüffeldGrünes SignalGenau prüfen
Förder-Fit Du bist förderberechtigt und erhältst relevante Grund-, Kinder- oder Steuerförderung. Deine Förderberechtigung ist unklar oder die Zulage fällt im Verhältnis zur Bindung gering aus.
Liquiditäts-Fit Rücklage und kurzfristige Ziele sind separat finanziert. Das Depot müsste zugleich als Notreserve, Immobilienkapital oder flexible Rücklage dienen.
Risiko-Fit Du hast einen langen Anlagehorizont und akzeptierst zwischenzeitliche Verluste. Du erwartest eine feste Auszahlung oder würdest bei fallenden Kursen vorschnell aussteigen.
Kosten-Fit Effektivkosten, Fondskosten und Wechselbedingungen sind transparent und konkurrenzfähig. Die Förderung wird durch hohe laufende oder vertriebliche Kosten aufgezehrt.
Bestands-Fit Das Depot ergänzt deine gesetzliche Rente, bAV und freie Anlagen mit einer klaren Aufgabe. Ein alter Riester-Vertrag, bestehende Garantien oder andere Vorsorgebausteine wurden noch nicht einbezogen.

Auswertung: Vier oder fünf grüne Signale rechtfertigen eine konkrete Produktprüfung. Bei zwei oder drei grünen Signalen geht es meist um eine Kombination verschiedener Bausteine. Fehlt eine Rücklage oder ist das Geld mittelfristig verplant, gehört zuerst die finanzielle Basis geklärt.

Dieser Check ist bewusst strenger als ein reiner Fördervergleich. Die staatliche Zulage ist der Einstieg in die Entscheidung – nicht ihr Ergebnis.

Keine Garantie bedeutet mehr Spielraum und echte Schwankungen

Die bisherige Riester-Welt zwang viele Produkte zu einer vollständigen Beitragsgarantie. Das begrenzte den Anteil chancenorientierter Anlagen. Beim Altersvorsorgedepot entfällt diese Garantie. Dadurch kann mehr Geld in kapitalmarktorientierte Fonds fließen.

Der Gegenwert ist eindeutig: Niemand garantiert, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt mindestens deine eingezahlten Beiträge zur Verfügung stehen. Kurse können fallen, auch kurz vor dem Ruhestand. Ein langer Anlagehorizont und eine passende Risikosteuerung werden deshalb wichtiger.

Das Standarddepot reduziert einige Entscheidungen. Es arbeitet mit voreingestellten Fonds und schichtet vor der Auszahlungsphase automatisch in das vorsichtigere Anlageprofil um. Das kann für Einsteiger hilfreich sein, ersetzt aber keinen Kostenvergleich. Eine Effektivkostenquote von einem Prozent klingt klein, kann über mehrere Jahrzehnte dennoch einen erheblichen Teil des Anlageergebnisses beanspruchen.

Bei der Produktauswahl zählen deshalb mindestens vier Zahlen:

  • Effektivkosten des gesamten Vertrags
  • Kosten der enthaltenen Fonds
  • Aktien- und Risikoanteil während der Laufzeit
  • Beginn und Geschwindigkeit der späteren Umschichtung

Der Preis der Förderung ist gebundenes Kapital

Das Altersvorsorgedepot ist für den Ruhestand gedacht. Es ersetzt keine frei verfügbare Geldanlage.

Die reguläre Auszahlungsphase beginnt grundsätzlich zwischen dem 65. und dem 70. Lebensjahr. Zu Beginn kannst du bis zu 30 Prozent des vorhandenen Kapitals einmalig entnehmen. Der verbleibende Betrag fließt entweder als lebenslange Rente oder über einen Auszahlungsplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr reichen muss.

Eine vorzeitige Auszahlung ist zwar technisch möglich, führt beim geförderten Vertragsvermögen jedoch grundsätzlich zur Rückzahlung der erhaltenen Zulagen und festgestellten Steuervorteile. Ausnahmen bestehen unter anderem für bestimmte Nutzungen einer selbst bewohnten Immobilie.

Kurz gesagt: Das Altersvorsorgedepot gehört nicht an die Stelle deiner Notfallreserve. Erst wenn kurzfristige Ausgaben, Rücklagen und absehbare größere Ziele separat abgedeckt sind, lässt sich das Geld mit ruhigem Blick bis zum Ruhestand binden.

Auch die Besteuerung muss von Anfang an berücksichtigt werden. In der Ansparphase bleiben Erträge innerhalb des Vertrags steuerfrei. In der Auszahlungsphase werden die auf geförderten Beiträgen beruhenden Leistungen mit dem dann geltenden persönlichen Steuersatz versteuert.

Damit aus einem Förderversprechen eine belastbare Entscheidung wird

Meine Beratung beginnt nicht mit einem ETF oder einem bestimmten Anbieter. Zuerst klären wir, welche Aufgabe das Altersvorsorgedepot in deinem Gesamtplan übernehmen soll.

Dafür betrachten wir:

  • deine gesetzliche und betriebliche Altersvorsorge,
  • bestehende Riester-, Renten- und Depotverträge,
  • Rücklagen und mittelfristige Ziele,
  • Förderberechtigung, Kinderzulagen und Steuerwirkung,
  • Risikobereitschaft und verbleibende Laufzeit,
  • Kosten, Anlagekonzept und spätere Auszahlung.


Danach vergleichen wir das Altersvorsorgedepot mit den realistischen Alternativen: freies Wertpapierdepot, Garantieprodukt, bestehender Riester-Vertrag oder eine Kombination verschiedener Bausteine.

Ein alter Riester-Vertrag ist kein automatischer Wechselkandidat

Bestehende Riester-Verträge bleiben geschützt und können nach den bisherigen Regeln weitergeführt werden. Es gibt keine automatische Kündigung oder Umwandlung. Ab 2027 ist daneben ein freiwilliger Wechsel in die neue Produktwelt möglich.

Für die Entscheidung gibt es mehrere Wege:

Den bestehenden Vertrag weiterführen

Das kann interessant sein, wenn der Vertrag attraktive Garantien enthält, die verbleibende Laufzeit kurz ist oder ein Wechsel neue Kosten auslösen würde.

Den Vertrag ruhen lassen und neu vorsorgen

Ein bestehender Vertrag darf beitragsfrei gestellt werden. Das bisherige Kapital bleibt liegen, während neue Beiträge in einen anderen Altersvorsorgevertrag fließen.

Das vorhandene Kapital übertragen

Riester-Vermögen kann in einen neuen Altersvorsorgevertrag übertragen werden, ohne dass die bisherige Förderung allein durch den Übertrag zurückgezahlt werden muss. Wechsel-, Aufnahme- oder Vertriebskosten können das Ergebnis jedoch verschlechtern.

Kurz gesagt: Ein Wechsel lohnt sich nicht deshalb, weil das neue Produkt moderner klingt. Verglichen werden müssen Vertragskosten, vorhandene Garantien, bisheriges Guthaben, Restlaufzeit, künftige Förderung und die gewünschte Anlagestrategie.

Eine Kündigung auf Basis einer Überschrift ist die schlechteste der verfügbaren Entscheidungen.
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Altersvorsorgedepot prüfen lassen

Im Strategiegespräch erfassen wir deine bestehenden Verträge, deine mögliche Sparrate und deine Fördermerkmale. Anschließend erhältst du eine nachvollziehbare Einordnung:

  • welche direkte Förderung erreichbar ist,
  • welche Bindungen du dafür eingehst,
  • welche Alternativen in den Vergleich gehören,
  • und welche Unterlagen oder Produktdaten noch fehlen.


Du musst im ersten Gespräch keinen Vertrag auswählen. Der nächste Schritt ist zunächst eine klare Entscheidungsgrundlage.

FAQ

Deine Fragen, klar beantwortet.

Für bestimmte wohnwirtschaftliche Zwecke ist eine förderunschädliche Entnahme möglich, etwa für den Kauf, Bau, die Entschuldung oder energetische Sanierung einer selbst genutzten Immobilie. Die konkrete Möglichkeit muss im Vertrag vorgesehen und steuerlich sauber umgesetzt werden.

Grundsätzlich ja. Bei einer normalen Vererbung müssen die auf das Guthaben entfallenden Zulagen und Steuervorteile jedoch regelmäßig zurückgezahlt werden. Eine Übertragung auf einen eigenen Altersvorsorgevertrag des überlebenden Ehepartners ist unter den gesetzlichen Bedingungen ohne diese Abzüge möglich. Bei einer lebenslangen Leibrente gelten gesonderte Regeln.

Normale vermögenswirksame Leistungen nach dem Fünften Vermögensbildungsgesetz werden einem eigenen Förderverfahren zugeordnet und können nicht zugleich als geförderte Beiträge des Altersvorsorgedepots behandelt werden. Altersvorsorgewirksame Leistungen aus Tarifverträgen können je nach Gestaltung anders einzuordnen sein.

Ein Anbieterwechsel ist grundsätzlich möglich. Dabei können in den ersten Vertragsjahren Übertragungs- und Aufnahmegebühren entstehen. Deshalb gehören Wechselbedingungen bereits vor dem Abschluss in den Kostenvergleich.

Das Altersvorsorgedepot schafft keinen neuen Durchführungsweg innerhalb der betrieblichen Altersversorgung. Die bAV bleibt mit ihren bestehenden Durchführungswegen und Förderregeln ein eigenständiger Vorsorgebaustein.

Links zu nützlichen Rechnern

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